Expertenumfrage zur Wasserkraft in Europa

Mit rund 35 Prozent Anteil an den erneuerbaren Energien ist Wasserkraft die wichtigste regenerative Energiequelle Europas. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid hat im Auftrag von Voith Hydro eine Expertenbefragung zur Bedeutung der Wasserkrafttechnologie für die europäische Energiewende durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie haben wir in folgenden Punkten für Sie zusammengefasst:

Das Gelingen einer europäischen Energiewende
ist ohne Wasserkraft nicht möglich

In Ländern wie Österreich, der Schweiz und Norwegen spielt die Wasserkraft eine zentrale Rolle im nationalen Energiediskurs. In Deutschland sehen die Experten diese Rolle trotz der positiven gesellschaftlichen Wahrnehmung bisher nicht.

Die Ergebnisse der Expertenbefragung von TNS Emnid stellen einerseits eine fachliche Perspektive auf die Wasserkraft dar und beleuchten andererseits die Bedeutung im Kontext der Energiewende in Europa.

Im Gegensatz zu Windkraft und Photovoltaik ermöglicht Wasserkraft als einzige regenerative Energiequelle eine stabile und grundlastfähige Stromversorgung. Zudem genießt Wasserkraft eine große Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung und ist in der Lage, für Verbraucher und Industrie gleichermaßen Strom effizient und sicher bereitzustellen.


Experten bewerten Wasserkraft als zuverlässig und stabil

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern

Ebenfalls bestätigen sie den hohen Wirkungsgrad, die hohe Rentabilität sowie die Langlebigkeit technischer Anlagen bei der Wasserkraftnutzung

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern
Hoher Wirkungsgrad
Hohe Rentabilität
Langlebige technische Anlagen

Trotz des unterschiedlich hoch ausfallenden Stellenwerts der Wasserkraft in den europäischen Ländern sind sich die Energieexperten einig, dass die Potenziale der Wasserkraft noch längst nicht ausgeschöpft sind – dies gilt auch und vor allem für Deutschland.

In Deutschland hat Wasserkraft lediglich einen Anteil von 3,5 Prozent an der nationalen Energieversorgung. Nicht zuletzt wegen ihres niedrigen CO₂-Ausstoßes und ihrer Speicherfähigkeit wird sie von den Experten jedoch als entscheidender Faktor für das Erreichen der Klimaziele angesehen. Mithilfe von Pumpspeicherkraft kann beispiels­weise regenerativ erzeugter Strom aus Wind und Solar gespeichert werden.


Wasserkraft leistet einen großen bis sehr großen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele

Anteil der Zustimmung durch Experten pro Land
Österreich
Schweiz
Norwegen
Schweden
Deutschland

Wasserkraft hat einen niedrigen CO₂-Ausstoß

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern

Warum braucht Europa Energiespeicher?

Die zunehmende Nutzung fluktuierender Energiequellen wie Wind und Sonne hat zur Folge, dass die Energiemenge im Stromnetz immer öfter schwankt – mal wird zu viel und mal zu wenig Energie ins Netz eingespeist. Um dies auszugleichen, sprich das Stromnetz stabil zu halten, braucht Europa verlässliche und flexible Energieerzeuger aber auch leistungsfähige Speicher. Diese können den Einsatz thermischer Kraftwerke, z. B. Gaskraftwerke, reduzieren. Zu viel Strom aus Wind und Sonne kann nur durch unwirtschaftliche Abregelung oder Speicherung reguliert werden.

Mithilfe von Pumpspeicherkraftwerken können einerseits die Folgen von Engpässen bei der Energieversorgung ausgeglichen werden, da sie bei höherem Bedarf Strom in Sekundenschnelle ins Netz einspeisen können. Andererseits können Pumpspeicherkraftwerke durch das Einspeichern überschüssiger Energie die Abregelung (das Abschalten und vom Netz nehmen) von Wind- und Photovoltaikanlagen vermeiden. Hierdurch wird das volle Potenzial der installierten erneuerbaren Energien genutzt. Zudem werden Prognosefehler bei der Erzeugung von Wind- und Solarenergie erfolgreich ausgeglichen. Gegenüber anderen Speichertechnologien überzeugen Pumpspeicher auch durch die Bereitstellung hoher Strommengen bei deutlich niedrigeren Kosten pro Kilowattstunde sowie durch geringere Auswirkungen auf die Umwelt.

Ausführliche Informationen zu Pumpspeicherkraftwerken finden Sie hier.


Wasserkraft hat eine ausgezeichnete Speicherfähigkeit

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern

Wie funktioniert ein Pumpspeicherkraftwerk?

Sorgen kräftiger Wind und viel Sonne für einen Stromüberschuss im Netz, schaltet das Kraftwerk auf Pumpbetrieb: Elektromotoren treiben Pumpen an, die Wasser aus einem Reservoir in ein höher gelegenes Becken befördern. Steigt die Stromnachfrage, lässt man das Wasser von oben wieder nach unten ab. Das Wasser durchströmt Turbinen, die ihrerseits Generatoren antreiben. Innerhalb von Sekunden wird Strom erzeugt und ins Netz eingespeist.

Zudem verfügen Pumpspeicher über die Schwarz-Start-Fähigkeit, die im Falle von Blackouts kurzfristig wieder Strom zum Anfahren bzw. Stabilisieren des Stromnetzes zur Verfügung stellt. Wasserkraft ist die einzige Kraftwerkstechnologie, die dafür geeignet ist.

Aus Sicht der Experten dienen Pumpspeicher als hervorragende Kurzzeitspeicher, die mehrmals täglich genutzt werden können. Diese Flexibilität macht Pumpspeicher zu Multifunktionskraftwerken: Sie speichern beispielsweise überschüssi­gen Solarstrom und stellen ihn zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung – mittags, wenn die Sonne scheint, wird Strom gespeichert, der am Abend wieder ins Netz eingespeist wird. Dadurch wird auch die Abregelung regenerativer Energie­quellen wegen Überlastung der Stromnetze vermieden. Pumpspeicher können darüber hinaus Dienstleistungen für das gesamte Energiesystem bereitstellen und so zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit beitragen. Wasserkraft ist daher ein idealer Moderator für den zukünftigen Energiemix in Europa.


„Für das Gelingen einer europäischen Energiewende braucht es eine stärkere Koordination auf europäischer Ebene. Mit einem europäischen Energieverbund könnten wir die geographischen Vorteile viel besser nutzen und Deutschland, Österreich und die Schweiz könnten mit Hilfe von Pumpspeichern zur Batterie Europas werden.“
Heike Bergmann
Mitglied der Geschäftsführung, Voith Hydro Deutschland

Sicher, sauber, bewährt

Wasserkraft ist die größte kostengünstige erneuerbare Energiequelle der Welt. Dieses Video gibt bewegende Einblicke in die Welt der Wasserkraft:

Akzeptanz und Unterstützung durch die Bürger sind Grundsteine für eine erfolgreiche Umstellung auf eine regenerative Energieversorgung. Bei vielen Menschen hat sich jedoch eine gewisse skeptische Haltung gegenüber der Energiewende entwickelt, die durch wachsende Strompreise und Ausnahmen für manche Industriezweige genährt wird. Ungeachtet dessen steht Wasserkraft laut den Experten bei den Bevölkerungen aller Studienländer hoch im Kurs. Gründe hierfür finden sich in dem Vertrauen, das Bürger in diese sichere, saubere und bewährte Technologie haben.


Experten bewerten das Image der Wasserkraft in der Bevölkerung als gut bis sehr gut

Anteil der Zustimmung durch Experten pro Land
Schweiz
Norwegen
Österreich
Deutschland
Schweden

Unter den erneuerbaren Energien hat die Wasserkraft im Durchschnitt das beste Image

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern
Wasserkraft
Photovoltaik
Windkraft
Biomasse

Die Relation zwischen dem Eingriff in die Natur und der Menge an produzierter Energie ist bei Wasserkraft ausgewogener als bei anderen erneuerbaren Energien

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern

Die Potenziale der Wasserkraft sind längst nicht ausgeschöpft

Die Wasserkraft ist nicht nur die erneuerbare Energiequelle mit dem positivsten Image in der Öffentlichkeit, sondern auch die größte, älteste und dabei zuverlässigste Form erneuerbarer Energieerzeugung. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts versorgen Wasserkraftwerke die Bevölkerung mit Strom, der mit einem niedrigen CO₂-Ausstoß produziert wird.

Das Potenzial der Wasserkraft in Europa ist noch lange nicht ausgeschöpft: Durch technologische Weiterent­wicklung, Innovationen und Modernisierung können die Effizienz bestehender Anlagen gesteigert und modernste ökologische Standards erfüllt werden. Fische werden über Lockströmungen und Fischtreppen an Krafthäusern vorbeigeführt. Neueste Laufradschaufeln verbessern die Wasserqualität und sorgen z. B. dafür, dass die Verletz­ungsgefahr für jene Fische minimiert ist, die dennoch in die Turbinen gelangen. Zudem schonen technologische Lösungen wie beispielsweise eine ölfreie Nabe die Umwelt.

Beispiel für ungenutzte Potenziale

In Deutschland gibt es ca. 50.000 Staudämme oder -wehre, von denen nur 7.000 mit Wasserkraftanlagen ausgerüstet sind. Mithilfe von Kompaktturbinen können bereits existierende Dämme und Wehre zur Strom­erzeugung genutzt werden. Auch die Moderni­sierung bestehender Wasserkraftwerke birgt ein hohes Potenzial, da diese mit einer signifikanten Leistungsverbesserung einhergeht.


Praxisbeispiel: Modernisierungsprojekt Rheinfelden

Die Modernisierung des Kraftwerks Rheinfelden zeigt, wie die Wasserkraft durch Innovationen heute noch effizienter und umweltfreundlicher genutzt werden kann. Mit einem Anstieg der Stromproduktion von 185 auf 600 Millionen Kilowatt­stunden pro Jahr hat sich die Leistungsfähigkeit des Kraftwerks mehr als verdreifacht. Zudem werten zahlreiche Ausgleichsmaßnahmen den Raum ökologisch auf. Kernstück ist ein rund 900 Meter langes naturnahes Fließgewässer, das den bisherigen Kraftwerkskanal in einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Fisch- und Pflanzenarten verwandelt. Insgesamt wurden 64 Ausgleichsmaßnahmen, wie z. B. der Erhalt charakteristischer Stromschnellen im Rhein oder der Bau eines Fischaufstiegs- und Laichgewässers umgesetzt.


In den Studienländern gibt es viel ungenutztes Potenzial für Wasserkraft

Anteil der Zustimmung durch Experten pro Land
Norwegen
Deutschland
Österreich
Schweiz
Schweden

Bei der Förderung von Wasserkraft sollten Modernisierung und Ausbau bestehender Anlagen im Vordergrund stehen

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern

Fehlender politischer Wille

Die Politik hat großen Einfluss darauf, welche Energiequellen genutzt werden und steuert somit die Zukunft unserer Energieversorgung. 45 Prozent der befragten Experten sind davon überzeugt, dass die Politik die Wasserkraft nicht ausreichend fördert. In Bezug auf Deutschland sehen hier sogar 63 Prozent der Befragten ein Defizit. Angesichts der zunehmenden Herausforderungen für das ökologisch sinnvolle und ökonomisch effiziente Gelingen der Energiewende, besteht hier höchster Handlungsbedarf.


Wasserkraft wird von der Politik nicht ausreichend gefördert

Anteil der Zustimmung durch Experten pro Land
Gesamt
Deutschland
Österreich
Schweiz
Schweden
Norwegen

Doch warum wird dieses Potenzial trotz der Vorteile (siehe oben) nicht richtig genutzt?
TNS Emnid hat europäische Experten gefragt, worin sie die Hindernisse für eine stärkere Nutzung der Wasserkraft sehen.

Politische Entscheidungen

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern

Planungs- und Genehmigungszeiten

Anteil der Zustimmung durch Experten in allen Studienländern

Unter Energieexperten ist die Bedeutung der Wasserkraft für die zukünftige Energieversorgung Europas unumstritten. Sie verweisen auf ihr enormes Potenzial. Zugleich warnen sie davor, die entsprechenden Chancen für ein nachhaltiges und effizientes Gelingen der europäischen Energiewende ungenutzt zu lassen.

Im Interesse von Umwelt, Verbrauchern und Industrie ist es daher höchste Zeit, auf politischer Ebene Entscheidungen zu treffen, die bürokratische Hindernisse abbauen und die Nutzung von Wasserkraft effektiv und angemessen fördern. Deutschland kann dabei von seinen europäischen Nachbarn einiges lernen. Wenn die Energiewende in Europa gelingen soll, darf die Politik die Wasserkraft nicht länger als Stiefkind behandeln.


„Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir in Europa mehr als nur neue Technologien. Wir brauchen den politischen Willen, die Unterstützung der Bevölkerung, länderübergreifende Zusammenarbeit und langfristige Planung. Zum einen haben die befragten Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schweden und Norwegen bestätigt, dass Wasserkraft bereits heute eine zentrale Rolle bei der ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Energiewende spielt. Zum anderen weisen die Experten darauf hin, dass sie noch viele Potenziale für die Energieversorgung Europas bereithält.“
Dr. Roland Münch
Mitglied der Konzerngeschäftsführung, Vorsitzender der Geschäftsführung Voith Hydro

Zum Studiendesign

Grundlage der Studie bildet eine qualitative Telefonbefragung unter Energieexperten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schweden und Norwegen.

Durchführung:

TNS Emnid (im Auftrag von Voith)

Methode:

Telefonbefragung (CATI ad hoc)

Zielgruppe:

Energieexperten; 600 Personen, 200 aus Deutschland und je 100 aus Österreich, der Schweiz, Schweden und Norwegen.

Die Experten kommen aus den Bereichen: Wirtschaftsverbände, Umweltverbände, Stromversorger, Energiepolitik, Vertreter aus Aufsichtsbehörden, Energie- und Infrastrukturplaner, Journalisten.